Herr von Eden

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T.Raumschmiere

Marco Haas begann seine musikalische Karriere als Erfinder. Erstmal erfand er einen Rahmen und dann sich selbst. Die von ihm und Marcus Stotz in Heidelberg gegründete Plattenfirma diente erstmal als Vehikel, um Aufnahmen seiner Band „Stormbow“ zu veröffentlich. Es war 1997 und „Stormbow“ war eine überaus talentierte Band samt Schlagzeuger Marco Haas, wie es allerdings einige gab in Baden Württemberg, der Pfalz, dem Ruhrgebiet. Einmalig allerdings war das geborene Vehikel namens „Shitkatapult“.

1998 zog Marco Haas mit dem Label nach Berlin und ins Elektronische, das er selber tief ins dunkele Herz schloss und sich nach Charakteren aus einer William S. Borroughs Geschichte (um)benannte, den Dreamcops und genau hier in der 50iger Jahre Übersetzung ins Deutsche - die Traumschmiere, die er noch mit einem Punkt hinter dem T.(Raumschmiere) ins übermorgen dirigierte. T.Raumschmiere war geboren und damit eine große Geschichte elektronsicher Musik aus Berlin. Die ersten Alben auf Shitkatapult widmete  T.Raumschmiere den dunkel geladenen Spuren einer elektronischen Musik, die Bass-Drum und Ambient, Rotzigkeit und Größe verband: Stromschleifen (Shitkatapult, 2000), Zartbitter (Shitkatapult 2002). Gleichzeitig wurden einige 12“ auf dem Kölner Kompakt Label gesichtet: Boltzplatz (Kompakt 2000), Musick (Kompakt 2001). Gerade letztere waren große Rave Neuigkeiten mit einem dermassen tollen Sägezahn Selbstbewusstsein, einer ikonisierten Rockmännlichkeit, die nicht nur lustig und Spass sagte, sondern auch groß und Ernst.

The Real Shit, der auf Kompakt immer eher Richtung Wolfgang Voigt zeigte, ins Reich der Erfindungen. 2002 - krönte Marco Haas als T.Raumschmiere diese Zeit noch mit einem Meilenstein Ambient-Doppel-Album auf dem damaligen In-Label Hefty aus Chicago mit dem Kunstprädikat Besonders Wertvoll und einem weiteren klaren Titel aus der Kiste einfach toller Erfindungen "Anti" (Hefty 2002). Touren folgten weltweit.

Und genau hier findet das nächste Staunen statt: der Mann, kein Tüftler im Studio (ist er doch), sondern in erster Linie ein Ereignis vor dem Herrn, ein Performer der Sonderklasse, der wie nie zuvor Rave und Techno, Rock und Roll, Live und Krass und Schwarz und Dunkel in ein Wort verpackte, in ein Riff, in einer unaufhörlichen Reihe umgeworfener Tische, explodierender Mischpulte und offener Münder. A Star was born. Selbstgemacht und durchgeknallt. Das Schaffen wurde auf den Punkt gebracht mit dem Shitkatapult Album, zusammengekramt aus dem wichtigsten Material der oben genannten Veröffentlichungen und einer genialen Behaupung:

T.Raumschmiere - The Great Rock N Roll Swindle (Shitkatapult, 2003). Ein ganz großes Popding im Techno Zirkus.
Man flippte aus. Daniel Miller musste das haben und T.Raumschmiere wurde gesignt für Novamute, die Clubvariante vom Londoner Mute Label, das gerade in Richtung Emi´s Hai, nein, Walfischbauch schwamm. T.Raumschmiere erschien auf einem großen Label zur richtigen Zeit mit großen Kollegen wie Luke Slater, Plastikman, Speedy J, Motor, Cristian Vogel etc.pp. T.Raumschmiere landete seinen Überhit  „Monstertruckdriver“ (Novamute, 2003) und war die nächsten Jahre nicht mehr wegzudenken aus den Line Ups der großen relevanten Clubs und Festivals. Spätestens mit seinem zweiten Novamute Album „Blitzkrieg Pop“ (Novamute, 2005) hatte er davon dann auch die Schnauze voll und präsentierte dem verblüfften Publikum eine Rockwerdung mit einem Album aus Songs und Riffs, die sich irgendwo zwischen Nick Cave, Nine Inch Nails und Bohren verorteten und T.Raumschmiere auch Live als Band relaunchten.

Wenn man ehrlich ist: viele waren enttäuscht ob dieser Rockalisierung samt tätowierter Kaltschnäuzigkeit. Wo ist denn unser Gnarz Rave King? Folgerichtig ging daran, und ein paar anderen Faktoren, die Emi zu Grunde. T.Raumschmiere veröffentlichte zwei weitere Longplayer auf Shitkatapult… das leider wenig beachtete Ambient Wunderwerk Random Noize Sessions Vol.1 (Shitkatapult, 2006), und sein bestes Rock Album „I Tank U" (Shitkatapult, 2008). Doch die Fans wollten weiterhin den Monstertruckdriver und sehr tapfer kämpfte sich ein T.Raumschmiere Trio durch Auftritte und Tourneen. Die nächsten 5 Jahre verliefen erstmal abseits der großen Öffentlichkeit. Und der immer gerne kooperierende Marco Haas konzentrierte sich auf seine Studioarbeit und gerade auch Produktionen für andere wie Dieter Meier von Yello, Andreas Dorau, Fraktus, Ofrin oder Barbara Morgenstern. Er widmet sich dabei auch ganz der Tiefe der Technik und der Systeme. Und erfindet sich wieder neu.

Auf dem Shitkatapult Sublabel Albumlabel erscheint 2016 ein sehr großes Ambient Album ohne Titel, das er zusammen mit Freund und Kollegen Ben Lauber (bekannt u.a. als Schlagzeuger der T.Raumschmiere Band, Dendemann, Olli Schulz oder als Orchester Arrangeur und Held der Projekte). Marco Haas forscht!!! Zwei Alben entstehen mit Ulli Bomans aka Schieres unter dem Projektnamen Shrubbn!! (Echos -Shitkatapult 2012 sowie Europa - Shitkatapult 2016) sowie Remixe für Dava Gahan, Warren Suicide oder Apparat (für den Shrubbn!! auch in Europa live Support spielten). Auch mittels einer Reihe von Konzerten mit dem Ausnahme Jazz/Noize Gitarristen Caspar Brötzmann (eine gemeinsame 10“ erscheint im April 2017 auf Shitkatapult) spielte T.Raumschmiere an immer neuen Grenzen. Und erschöpfte nicht, sondern schöpfte aus.

Im Mai 2017 erscheint dann jetzt folgerichtig sein neues, großes Solo Album auf dem Kölner Label Kompakt namens "Heimat". Back to the roots - aber auch Blick in den Himmel!!! Dieses neue Album präsentiert eine andere T.Raumschmiere Seite, die stets hörbar war, aber nie soviel Raum bekommen hat: den Künstler, den Autor, den Komponisten mit dem glasklaren Sound. Ein wunderbares Techno Album, das weder Ambientes ausschliesst noch sich reduziert auf ein wie immer geartetes Auf-den-Putz hauen. Das hier ist vielleicht die beste Platte dieses Mannes, der so weit, so tief und so viel fragt. Und irgendwann auch antwortet.

Text: Daniel Meteo
Photo: Carolin Saage
Raumschmiere.com







OBJET TROUVÉ w/ T.Raumschmiere, Timm Völker, Uwe Bermeitinger, Jürgen Vogel, Paul Pötsch, Tim Bruening, Mule & Man Conquering, Devid Striesow, Dominic Deville, Udo Lindenberg, Carsten „Erobique“ Meyer, Tiefschwarz, Kai Tietz, Shumi, Hans Heinrich Oskar Burmeister, Cro, Sina A. Dena, Scott Matthew, David Schütter, Solomun, Heinz Strunk, Max Mauff, Gerhard Hintermann, Frederick Lau, Wilson Gonzales, Mark Waschke, Peter Maffay, Gregor Schwellenbach, Tobias Walker, Rodrigo Lopez Klingenfuss, Esther Perbandt, Bernhard Roetzel, Rolf Zacher, Ralf Köster, Peter Lohmeyer, Cameron Carpenter, Henning Kles, Alexander Scheer, Tim Mälzer, Max Herre, Stefan Marx, Max Mutzke, Nino de Angelo, Jonathan & Rufus Beck, Frida, Timo Jacobs, Dieter Meier, DJ Koze, Patrick Mohr, Gert & Uwe Tobias, Peter Doherty, Wolfgang Joop, Jasmin Gerat, Chilly Gonzales, Mona Mur & En Esch, Alice Francis, Marla Glen, Mark Boombastik & Messiuers Delmotte, Florian Waldvogel, Matthew Herbert, Ame, Jan Delay, 1000 Robota & Soap and Skin, Das Bo, Bela B, Tobias Thomas, Paul Rendogs, Peaches, Gonzales, DJ Phono, Pheline Roggan, Tino Hanekamp, Bent Angelo Jensen, Rocko Schamoni